Mit Roggenmehl Haare waschen und eine natürlich glänzende und seidig weiche Mähne kriegen – es geht wirklich!

Es gibt ein natürliches Shampoo, das völlig frei von schädlichen Chemikalien ist, keine aggressiven Waschtenside oder irgendwelche Parabene enthält, frei von Farbstoffen und Parfum ist und vollgepackt mit Vitamin E, Folsäure, Pantothensäure, Eisen und Zink und – es kostet nichts und braucht keine Wegwerf-Verpackung.

 


 

Die Rede ist von Haare waschen mit Roggenmehl. Ich gebe es zu, meine ersten Gedanken zu diesem Thema waren auch: „Äääh, das kann ja nur klebrig sein und niemals funktionieren. Dabei wird mein schönes Haar zerzaust und niemals gewaschen und die Dusche kann ich danach auch jedes Mal putzen...!“

Aber irgendwie war ich dann doch zu neugierig, befasste ich mich doch schon lange mit dem Thema natürliches Haare waschen und Haarpflege ohne Chemie.

Momentan ist ja die Haarwäsche ausschließlich mit Wasser, die No-Poo-Variante ganz hip. Ich finde aber, eine milde Reinigung und Pflege muss sein, speziell bei längerem Haar. Deshalb hab ich die Roggenwäsche probiert und war gleich beim ersten Mal begeistert. So seidig und gleichzeitig sauber und glänzend waren meine Haare noch nie zuvor und das Beste: Sie wurden nicht mehr so schnell fettig und die Kopfhaut fühlte sich über mehrere Tage frisch und gepflegt an.

 

Die Zubereitung von Roggenshampoo ist kinderleicht und man muss sie nur mindestens 10 Min. vor dem Haarwaschen machen.

Dazu brauchst du lediglich 3 gehäuftte EL Roggen und ca. 250ml Wasser. Das war’s.

Du vermischt beides am besten in einem Smoothiebehälter oder einer Trinkflasche, die du gut schütteln kannst und dicht ist.

 

Mische also 3 EL Roggenmehl (am besten Vollkorn oder Halbe-Halbe feines helles Roggenmehl mit Roggenvollkornmehl) einfach mit warmem Wasser und schüttle die Masse gut durch. Nach 10 Min. ist das Shampoo einsatzbereit.

Verwende bitt keine andere Mehlsorte!

 

Nun aber geht’s ans Haare waschen. Falls du noch nie ein mildes und natürliches, naturkosmetisches Shampoo regelmäßig verwendet haben solltest, machst du am besten eine Haarwäsche mit einer geringen Menge deines herkömmlich verwendeten Produkts. Ansonsten wäre die Umstellung einfach zu groß, da dein Haar noch an stark schäumende Tenside, Parabene, Silikone und andere Chemie gewöhnt ist und in den Längen wahrscheinlich sehr trocken sein wird.

 

Falls dein Haar bereits an milde Tenside von naturkosmetischen Produkten gewöhnt ist, machst du einfach zwei Haarwäschen mit dem Roggenshampoo. Du kannst nachher einen Conditioner benutzen, obwohl du diesen eigentlich nicht mehr benötigst, da der Roggen dein Haar mit allen nötigen Pflegestoffen versorgt.

Du wirst dich schnell an das neue Gefühl deiner durch das Roggenshampoo gesäuberten Haare gewöhnen. Spätestens nach dem Föhnen wirst du begeistert sein!

 


 

So geht’s:

 

Das selbstgemachte Roggenshampoo einfach zuerst auf der Kopfhaut gut einmassieren und dann weiter in den Längen verteilen. Am besten lässt du es 3-5 Min. einwirken. In dieser Zeit kannst du den Rest des Shampoos auf deinem ganzen Körper als Duschgel und zugleich Gesichtsreinigung einsetzen. Denn auch hier profitiert deine Haut von den wunderbaren Eigenschaften des Roggens, der deine Haut babyzart macht und mild reinigt. Dies geschieht übrigens durch die enthaltene Stärke im Roggenmehl, welche als sanfter Emulgator fungiert und somit Wasser und Fette bindet. Das viele Vitamin E, verschiedenste Proteine, B-Vitamine wie Folsäure und Pantothensäure und Mineralstoffe wie Eisen und Zink pflegen deine Haut und Haare auf natürliche Weise.

 

Nach der Einwirkzeit spülst du deine Haare einfach gut aus, am besten auch kopfüber, dann wirst du keine Reste des Shampoos mehr in den Haaren haben.

Keine Sorge, deine Dusche wird außerdem sauber bleiben, denn Roggen enthält im Gegensatz zu Weizen, Dinkel und Co kaum Gluten und verklebt daher nicht. Die Masse lässt sich leicht aus den Haaren spülen und bleibt auch nicht auf der Duschwand oder den Fliesen kleben, wenn du diese nach dem Haare waschen einfach ein bisschen abspülst bevor du aus der Dusche hüpfst.

 

Pimp your Poo:

Natürlich kannst du dein Roggenshampoo auch noch tunen, indem du es mit wertvollen und natürlichen Zutaten pimpst.

Gebe hierzu zum Beispiel 1 EL Zitronensaft oder noch besser Apfelessig in deine Mischung. Mit 1 TL Natron verstärkst du die reinigende Wirkung und mit

aufgebrühtem Kaffee (gem. Kaffee aufbrühen und 20 Min. ziehen lassen) vermischt ergibt das Roggenmehl ein effektives Koffeinshampoo, welches die Durchblutung anregt und somit die Haare kräftigt und im Wachstum unterstützt.

 

 

Also, viel Spaß mit deiner natürlich gepflegten Mähne und deinen Roggenshampoo-Experimenten!

 

Du schonst damit übrigens unsere wertvolle Umwelt, da keine Chemikalien ins Abwasser gelangen. Außerdem erzeugst du weniger Müll, verhilfst deinen Haaren zu natürlicher Gesundheit und lässt deine Kopfhaut aufatmen und sich regenerieren.



bewusst. gewusst.

 

Bitte nur Roggenmehl!

Mehlsorten wie Weizen- und Dinkelmehl enthalten viel Gluten und würden deine Haare verkleben.

 

Roggenvollkorn versus helles Feinmehl

Solltest du sehr lange, lockige Haare oder auch extrem dünnes Haar haben, ist es ratsam, zumindest zu Beginn nur helles Roggenmehl vom Typ 1150 zu verwenden, welches sich besser ausspülen lässt oder eine Mischung aus Vollkorn- und Feinmehl.

Hat sich dein Haar an die neue natürliche Wäsche gewöhnt, was ca. 2 Wochen dauern wird, kannst du auch nur noch Vollkornmehl verwenden.

 

Wirkstoffentfaltung durch längere Standzeit

Lässt du nach der Zubereitung dein Shampoo länger als die besagten 10 Min. stehen, lösen sich die pflegenden Wirkstoffe aus dem Roggen, allerdings auf Kosten der Stärke, welche ja die reinigende Wirkung hat. Zu Beginn solltest du daher mit frisch zubereitetem Roggenshampoo arbeiten oder einfach zwei Varianten zubereiten. Die pflegende Variante kannst du zum Beispiel am Vorabend schon anmischen und die reinigende, frische Variante am Morgen vor der Haarwäsche. Sobald dein Haar allerdings ans Roggenshampoo gewöhnt ist und somit keine schäumende Tenside benötigt und somit frei von Silikonen ist, ist es vollkommen egal, welche Variante du verwendest  - Vollkorn oder helles Feinmehl, vor 10 Min. oder 10 Stunden angemischt, dein Haar lässt sich problemlos damit waschen.

 

Haltbarkeit

Natürlich kannst du dein Roggenshampoo am nächsten Tag auch noch verwenden, du solltest es aber im Kühlschrank und nicht im warmen Badezimmer aufbewahren. Mit der Zeit unterzieht sich das Gemisch nämlich einer natürlichen Gärung. Das Shampoo wird dadurch nicht schlecht, aber riecht etwas sauer. Sofern du also keinen Sauerteig für selbstgebackenes Roggenbrot benötigst, stelle das Shampoo für 1-2 Tage in den Kühlschrank. Beachte aber, dass die reinigende Stärke durch die längere Standzeit weniger wird, sich aber die pflegendes Substanzen des Roggens zunehmend herauslösen, also zum perfekten Haarconditioner oder Pflegedusche werden.

 

No Poo

Die Roggenmehlwäsche ist eine geeignete Methode, deine Haare an die No-Poo-Variante zu gewöhnen, wo lediglich nur noch Wasser zum Haare waschen verwendet wird. Ich persönlich liebe die pflegende Wirkung von Roggen und bin nicht umgestiegen und werde es auch nicht tun. Allerdings brauchen meine Haare nur noch sehr wenig Shampoo, ich würde im Notfall also auch mit Wasser zurecht kommen, was auf diversen Reisen und Trips ohne Hotelzimmer schon sehr praktisch war.

 


bewusst. gemacht.

 

Warum muss sich das Haar eigentlich an weniger waschaktive Substanzen gewöhnen und was ist daran eigentlich so schlecht?

 

Unsere Haare sind grundsätzlich zu überpflegt und eigentlich viel zu trocken. Bei natürlichem, gesundem Haar wär es normal, dass der Ansatz eher ein bisschen fettig ist und durch regelmäßiges Bürsten (mit Bürsten aus Naturborsten) würde sich dieser Talg, der als natürliche Feuchtigkeitspflege und Schutz fungiert auch bis in die Spitzen verteilen. Allerdings möchte in der chemieverseuchten, pseudogepflegten westlichen Gesellschaft niemand mehr „fettige“ Haare haben und alles, also Haut und Haar muss im wahrsten Sinne des Wortes quietschsauber sein – was eigentlich heißt: Der natürliche Säureschutzmantel unserer Haut und Haare ist zerstört, die (Kopf)Haut hat ihre natürliche Talgbildung verlernt und wir brauchen einen Haufen  Conditioner und Bodylotions, Gesichtscremen, Öle, Sprays, Ampullen, Masken etc. mit viel Chemie, darunter Vitamin E (komisch, woher wir das schon kennen?) um die Haut auf unnatürliche Weise zu pflegen, obwohl diese das gerne selbst erledigen würde, wenn wir sie nur ließen.

Eigentlich ist es so, als würden wir ständig eine Putzfrau bezahlen, putzen würden wir aber trotzdem selber und sie würde daneben nur Kaffee trinken und uns anstaunen, wie doof wir sind. Ich weiß, das war provokant und vielleicht verwirrt dich das. Aber schaue einmal, was alles in deinem Badezimmer und vor allem in deiner Dusche steht und ob du das wirklich brauchst.

Bist du wirklich zufrieden mit dem Zustand deiner Haut und Haare?  Oder ist alles einfach nur trocken und spannt, wenn du dich nicht täglich eincremst? Wie lange halten sich deine Haare nach der Haarwäsche frisch? Einen Tag, drei Tage, eine Woche?

Ich kann dir eins versichern. Solltest du deinen Haaren die Chance geben, zu lernen, sich wieder selbst zu pflegen, wirst du sie in Zukunft weniger häufig waschen müssen. Du sparst also Zeit und Ressourcen und schonst wieder einmal die Umwelt.

 

Das heißt, ich brauch kein Shampoo, kein Duschgel und keine Haarpflegeprodukte mehr? Willst du mich „verhaarschen“?

Nein, zugegeben, bei mir stehen noch ganze fünf Produkte in Verbindung mit Haar- und Duschpflege im Schrank. Dies sind ein mildes, naturkosmetisches Shampoo und Pflege, ein ähnliches Duschgel, ein Haaröl und ein Aloe-Vera-Spray für meine Locken.

Diese benutze ich allerdings nicht bei jedem Waschgang. Sie sind lediglich Helfer und Unterstützung, wenn das Haar von Meerwasser oder Heizungsluft stark ausgetrocknet ist, ich viel geschwitzt habe oder die Haare einfach mal sehr schmutzig sind. Ist mein letzter Spitzenhaarschnitt schon mehr als 3 Monate alt, verwende ich ab und zu einen Tropfen Haaröl oder Kokosöl für eine zusätzliche Spitzenpflege. Das wars.

Übrigens wasche ich mein Gesicht auch nur noch mit Wasser und seit 4 Monaten benutze ich keine Gesichtscreme mehr. Und ich würde das nicht machen, wenn sich der Zustand meiner Haut dadurch nicht verbessert hätte. Das nur zur Info und soll ein andermal Thema sein.

 


 

Also, ich hoffe, ich habe dich ein bisschen zum An- und Umdenken angeregt, was Haar- und Hautpflege betrifft. Hier ist weniger auf jeden Fall mehr.

 

Und wenn du’s nicht glaubst, frag doch mal deine Oma, wie sehr sie ihre Haut gepflegt oder sie ihre Haare früher gewaschen hat und sieh dir ihre wunderschöne, weiche Gesichtshaut an.

 


 

 

Ich wünsche dir auf jeden Fall viele aufschlussreiche Gedanken und Experimente mit weniger Chemie auf Haut und Haar und einen bewussten Tag!

 


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